Koasalauf 2016

Vor 15 Jahren habe ich mein bisher letztes Langlaufrennen bestritten, einen Sparkassen Schülercup über 8km. Wie ich abgeschnitten habe, weiß ich nicht mehr genau, aber vermutlich war ich irgendwo  in der zweiten Hälfte platziert. Da die Aussicht auf eine Profikarriere eher schlecht war und mich Fußball und Furtgehen mehr interessierten, wurden die Langlaufski für über 10 Jahre eingelagert.

Mittlerweile habe ich das Langlaufen, insbesondere das Skaten wieder für mich entdeckt. Es ist ein super Ausgleich zum Laufen, schont die Gelenke, was mit zunehmenden Alter durchaus eine Rolle spielt, und macht allen voran einfach Spaß!
Wer das Langlaufen halbwegs ambitioniert betreibt und auch gerne an Laufveranstaltungen teilnimmt, für den ist der erste Skimarathon natürlich nur eine Frage der Zeit.
Und was wäre da naheliegender als einer der größten Volksläufe in der näheren Umgebung, der Koasalauf!
Beim Koasalauf gibt es 3 Streckenlängen: 8km, 28km und 50km. Ich dachte mir „Wenn schon, dann a gscheid“, also hatte ich mich, mit einer Trainingskollegin für den 50er angemeldet.

Samstags finden immer die Klassik-Wettbewerbe statt, Sonntag die Skating-Wettbewerbe. Für uns hieß es also Samstag Ski wachseln.
Man hat zwar vor Ort die Möglichkeit sich von diversen Wachs-Herstellern die Ski präparieren zu lassen, aber bei Preisen um die 40 Euro, macht man das doch gerne selbst.
Laut Wetterbericht sollte es am Sonntag noch einen Tick wärmer werden als Samstag, also sollte es zum Start um 10 Uhr so um die 2° plus haben.
Das sind doch relativ klare Bedingungen sollte man meinen, High-Fluor-Wachs -4/+4 und ein bisschen wärmeres Pulver als Finish drauf.

Sonntag Morgen, 7.30 Uhr. Wir machen uns gemütlich auf den Weg Richtung St. Johann. Siegsdorf 0°, Schleching 1°. Perfekt, wie geplant.
Als wir allerdings die Grenze passieren und nach Kössen hinab fahren schaut die Sache auf einmal anders aus. In Kössen hat es -3,5°, in St. Johann sind es dann sogar -5°. Scheiße!
Natürlich haben wir weder einen Wachsbock, noch Wachs oder ein kälteres Paar Ski dabei, bzw besitzen diese Sachen nicht einmal.

Als wir zum warm machen die Strecke ein bisschen ablaufen und fast alle Teilnehmer mindestens 3 Paar Ski im Skisack haben und jeden ausgiebig auf die Gleiteigenschaften testen, beschleicht uns doch ein bisschen ein komisches Gefühl.
Aber 40 Euro für Wachsen ausgeben ist keine Option und so schlecht läuft der Ski jetzt auch nicht, also nur nicht verrückt machen lassen, wird schon passen!

9.45 Uhr
Wir machen uns schön langsam auf den Weg zum Start. Da wir weder zur Elite gehören, noch einen Euroloppet-Pass besitzen müssen wir in den 3. Startblock. Somit sind wir von ca 660 Startern unter den letzen 100.
Um 10 Uhr ertönt der Startschuss und die Startblöcke 1 und 2 machen sich mehr oder weniger schnell auf den Weg. Um 10.03 dann darf sich erst der dritte Startblock auf den Weg machen. Ich versuche mich mit schnellen Doppelstockschüben zwischen zwei Spuren hindurch zu schieben und komme somit als einer der Ersten auf die freie Spur und entgehe dem größten Chaos.
Nach etwa einem Kilometer schließe ich schon auf die ersten Läufer aus Startgruppe zwei auf. Jetzt beginnt ein Zickzack-Lauf aus Überholmanövern, das kostet Kraft und Zeit.

Am ersten Anstieg ist dann schlagartig Schluss mit Laufen, hier herrscht Stau. Im Schneckentempo wird mehr bergauf gegangen als gelaufen.
Es herrschen kriegsähnliche Zustände. Manche Läufer versuche sich irgendwie durch zu schieben, über andere Ski drüber und ohne Rücksicht auf Verluste. Es wird lauthals geschimpft und die Ellenbogen ausgefahren. Stöcke brechen und jemand geht sogar zu Fuß, in der Hand seinen gebrochenen Ski.
Mit mindestens 3-5 Minuten Zeitverlust komme ich aber irgendwann auf der Anhöhe an. Jetzt geht es in die brisante Abfahrt und das Feld entzerrt sich.
Bis auf ein paar kleinere Anstiege geht es jetzt immer flott dahin, ich finde mein Tempo, kann viele Läufer überholen und komme gut voran.
Ich versuche dass ich immer in einem Pulsbereich von etwa 175-180 laufe. Das fühlt sich gut an und lässt sich relativ locker laufen. Ab und zu finde ich Anschluss an eine Gruppe, kann mich kurz mitziehen lassen und erholen und gehe dann vorbei und laufe im eigenen Tempo wieder weiter.

Der Ski läuft eigentlich ganz vernünftig. Auf trockenem, kalten Schnee nicht ganz so gut, auf den feuchteren Stellen ist er einen Rakete und auf den richtig festen Teilabschnitten läufts sowieso.

Bei Kilometer 36, kurz nach dem letzten Anstieg kommt man am Wendepunkt der langen Strecke an. Hier wird man von einem Sprecher mit Namen begrüßt und angefeuert, cooles Gefühl. Ich gönne mir den letzten Verschnaufer, die letzten 12km will ich nochmal alles geben.
Ich schaue jetzt nicht mehr auf die Uhr und auf den Puls, jetzt wird nicht mehr taktiert, nur noch Gas gegeben und ich kann noch einige Läufer überholen.
Die letzten 4 Kilomter werden richtig zach, aber als ich das Schild 1000m sehe kann ich mich nochmal richtig pushen. 500 Meter später ist auch schon die Zielgerade in Sicht. Jetzt nochmal alles geben, ein paar schnelle Schübe im 1-1er und geschafft!

Bei 2 Stunden 19 Minuten stoppe ich die Uhr. Sofort bekommt man eine Medaille um den Hals gehängt, trotz aller Erschöpfung ein tolles Gefühl!
Im Zielbereich fülle ich meine Energiereserven mit Tee, Obst und Manner-Waffeln auf.
Im extra aufgebautem Festzelt kann man sich als Läufer dann richtig vollschlagen. Nudeln mit 2 verschiedenen Soßen, Gulasch und Kaiserschmarrn!
Zu meinen Nudeln mit Tomatensoße gönne ich mir noch 2 Becher Bier. Selten haben eine wässrige Tomatensoße und ein Bier aus dem Plastikbecher so dermaßen gut geschmeckt!

Fazit:
Alles in allem ist der Koasalauf ein top organisiertes Event und ein absolutes Erlebnis.
Für 42€ Startgebühr könnte allerdings schon ein kleines Starterpräsent wie ein Buff oder ein T-Shirt drinnen sein.
Die Startregelung fand ich etwas unglücklich. Für das nächste mal kaufen wir uns auch eine Euroloppet-Pass für 39€, der zu einem Start im 2. Block berechtigt. Dieser ist 10 Jahre gültig.
Durch den hinteren Startplatz musste ich das ganze Rennen alleine laufen und sehr viel überholen, was viel Kraft kostet. Aber nächstes Jahr weß ich es besser, ein paar Minuten sind schon noch drin 😉

Mehr Bilder und Informationen gibt es hier:
www.koasalauf.at


2 Gedanken zu “Koasalauf 2016

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